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100 Jahre Burschenschaftsdenkmal


Thüringer Allgemeine, 23. Mai 2002
100 Jahre Burschenschaftsdenkmal

EISENACH.Laut der Fotos von der Einweihung des Burschenschaftsdenkmals herrschte vor 100 Jahren ebenso Sonnenschein wie gestern. Damals zog ein Festzug mit 2000 Teilnehmern bis zur Göpelskuppe. Gestern Vormittag fanden sich hauptsächlich Burschenschafter und Ehrengäste an historischer Stätte ein. "Die Deutsche Burschenschaft hat in Eisenach ihre Heimat gefunden", betonte Dr. Horst Zimmermann, Vorsitzender des Denkmalerhaltungsvereins, der rund 250 Mitglieder zählt. Er erinnerte an die wechselvolle Geschichte des Denkmals, das zwei Weltkriege, das Zerschlagen der 2,7 Meter hohen Statuen u.a. von Kaiser Wilhelm I. und von seinem Kanzler Otto von Bismarck sowie das Zumauern der Fenster überlebte. Der finanzielle Mangel zu DDR-Zeiten verhinderte den Umbau zu einer Sternwarte. Noch 1987 war die Sprengung erwogen worden. Dr. Zimmermann lobte das Engagement des Eisenachers Hans-Jürgen Lehmann, der sich mit anderen Mitstreitern Ende der 80-er Jahre um das Denkmal kümmerte: "Sie seilten sich sogar vom Balkon ab, um den Baumbewuchs zu entfernen." Landrat Dr. Martin Kaspari (CDU) wusste zu berichten, dass 1990 ein japanischer Industrieeller die Idee hatte, das Denkmal ab- und in seiner Heimat wieder aufzubauen. Doch die Burschenschaften erhielten ihr zu DDR-Zeiten enteignetes Eigentum zurück. Nach Aussage von Dr. Kaspari ist das Denkmal "Ausdruck fester Werte." Für ihn persönlich seien die Partei des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und die Deutschen Burschenschaften die einzigen gewesen, die immer an der deutschen Einheit festgehalten haben. Oberbürgermeister Gerhard Schneider (CDU) hielt es mehr mit der Historie und erinnerte an ursprüngliche Planungen, das Denkmal auf dem Wartenberg zu errichten. Dort wurde am 8. Juni 1897 der Grundstein gelegt. Doch Georg Ludwig Bornemann stellte das Grundstück auf der Göpelskuppe zur Verfügung, wo der Bau im Sommer 1900 begann. Heute ist das Areal laut OB "ein echter Anziehungspunkt" für Eisenacher und ihre Gäste. Nur wenig Applaus - Landrat und OB klatschten gar nicht - erntete Dr. Günter Antonius, Burschenschafter aus Wien, dessen Großvater Pfarrer Julius Antonius vor 100 Jahren bei der Einweihung dabei war. Er sprach u.a. davon, das Luthers Kirche "im linken Zeitgeist versumpft" und von der "Auflösung unserer Vaterländer in einer von grundauf antideutschen EU." Das trug ihm die Zwischenrufe "aufhören" ein. Aber danach ging man wieder zur Tagesordnung über und stellte sich für das Erinnerungsfoto auf der Treppe vor dem Denkmal auf. Nicht mit dabei war der angekündigte Festredner Hans-Peter Uhl, Burschenschafter und Mitglied des Bundestages (CSU). Sein Flieger, der ihn von München nach Erfurt bringen sollte, war am Morgen ausgefallen, so dass er erst am Nachmittag seine Rede hielt. Er betonte, das zwar mit der Überwindung der DDR und der Wiedervereinigung ein großes Ziel erreicht ist, doch eine "stabile gemeinsame Identität hat diese Nation noch nicht." Birgit SCHELLBACH, 22.05.2002
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