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Viel gearbeitet und viel gefeiert


Thüringische Landeszeitung, Montag, 27. Mai 2002
Viel gearbeitet und viel gefeiert

Eisenach. (ep) Mit einem Jazz-Frühschoppen mit der Eisenacher Bevölkerung ging gestern Nachmittag am Fuße der Göpelskuppe das traditionelle alljährliche Treffen der Vertreter aller Cooperationen der Deutschen Burschenschaften zu Ende, dessen Höhepunkt der 100. Geburtstag des Denkmals war. Mehr als 1000 Studenten und Alte Herren waren in die Wartburgstadt zu den verschiedenen Veranstaltungen gekommen, aber auch um Land und Leute kennenzulernen. Besonders die vielen guten Kontakte zur Bevölkerung, die Diskussion mit den Bürgern, die Toleranz und das gemeinsame Feiern wurden als eines der wichtigsten Ergebnisse der Tage herausgehoben. Auch das OB und Landrat ihnen die Ehre erwiesen hätten und so wohlmeinende Worte gefunden hätten, die aus ehrlichem Herzen gekommen seien, sei mehr als ein bloßes Symbol gewesen. Man habe sich in Eisenach wie immer schon sehr wohl gefühlt, so der Vorsitzende der einladenden Burschenschaft Franco Andolfo von Albia Wien. Diese gibt ihren Vorsitz am 1. Juli an die Hilaritas Stuttgart ab, die schon 1992 den Vorsitz innehatte. Die große Politik fand nicht statt Albia Wien wurde auf der Verbandstagung nicht nur entlastet, sondern besonders gedankt, weil sie kurzfristig eingesprungen war. Der designierte Nachfolger, ein Jahr Vorbereitung ist üblich, stand nicht mehr zur Verfügung. Wer große politische Beschlüsse erwartet hatte, der wurde diesmal allerdings enttäuscht. Die Verbandstagung war kürzer als üblich, weil vieles nicht beschlossen wurde. Etliche Anträge wurden aus formalen Gründen zurückgewiesen. Im wesentlichen sei es auch um deutliche Abgrenzungen zu den verschiedenen Strömungen in der Burschenschaft gegangen. "Wir konnten uns in den großen Sachen nicht einigen", hieß es. Das sei aber kein Makel, sondern eher als Zeichen der Liberalität und der freien Meinungsäußerung innerhalb des Verbandes zu werten, sagte Pressesprecher Karsten Rausch aus Potsdam. "Ein Verband braucht ja auch mal Ruhe." Künftig will man sich aber wieder verstärkt des Themas Hochschulpolitik annehmen. Man sei gegen Studiengebühren und Regelstudienzeiten, war zu hören. War man sich darin einig, istman aber uneins, ob Studenten der Eisenacher Berufsakademie eine Burschenschaft gründen oder Mitglieder einer solchen werden könnten. Die Wehrpflicht soll Bestand haben Hauptschwerpunkt war die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Mehrheitlich sprach man sich dabei gegen eine Berufsarmee aus. Jeder solle für das Vaterland einstehen. Deshalb bedürfe es einer Wehrgerechtigkeit, die Männer und Frauen in einen Dienst für die Heimat einbeziehe. Rausch sagte, dass man froh sei, dass dieser Gedanke nun auf höchster Ebene diskutiert werde, denn die Burschenschaften hätten dies bereits 1995 vorgeschlagen. Sehr geteilter Meinung war man aber bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Die Atmosphäre des Burschentages war in diesem Jahr sehr locker, ob beim Festakt im Innenhof der Wartburg oder dem Kommers in der Assmann-Halle. Selbst beim traditionellen Totengedanken, einer eigentlich internen Veranstaltung, waren zahlreiche jugendliche Eisenacher dabei und man ließ sie gewähren. Obwohl vielfach politisch anderer Ansichten, waren sie doch ergriffen von dem feierlichen Prozedere. "Wir wollen ja gar nicht, dass man immer unserer Meinung ist", so der Pressesprecher und man freue sich schon auf den Burschentag 2003. 26.05.2002 Von Uwe Heurich
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