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Thüringer Allgemeine, 17.10.1002
Goethe und die Burschenschaft ILMENAU (it). "Ich habe schon vieles über Goethe gehört und dachte mir, den Dichter, Staatsmann und Menschen Goethe einigermaßen gut zu kennen. Ich bin sehr dankbar für ihren aufschlussreichenVortrag, der für mich eine völlig neue Facette über den Wirkungskreis Goethes in den Blick rückte." Was Professor Schnittler in seinen Dankesworten ausdrückte, mag manchem der Vortragsgäste tief aus dem Herzen gesprochen haben, die am Sonntagvormittag das Referat von Prof. Dr. Kaupp "Goethe und die Burschenschaft" auf der Tagung der Studentenhistoriker im Hotel Tanne lauschten. Zu Goethes Zeiten, als dieser mit den Burschenschaften konfrontiert wurde, gab es in Ilmenau noch keine Universität. Fast 100 Jahre sollten vergehen, bis sich hier in der Stadt mit dem Einzug der ersten Studenten Burschenschaften wie die Baltia-Gotia gründeten. Mit den Burschenschaften und der Gestaltung eines Verhältnisses zu diesen hatte Goethe als Bürger und Staatsmann an der Jenaer Universität zu tun. Wie schwierig und auch wechselvoll sich dieses Verhältnis zu liberalen Professoren und Studenten, die der Goethe gelegentlich als "unsere Jenaer Brauseköpfe" bezeichnete, gestaltete, hat Prof. Kaupp sorgfältig recherchiert und in seinem exzellent gehaltenen Vortrag in sehr lebendiger Weise dargelegt: "Goethe bekannte sich zwar in dem berühmten Gespräch vom November 1813 mit dem Jenaer Historiker Luden - einem liberalen Förderer der jungen Burschenschaft - ausdrücklich zu Freiheit, Volk und Vaterland, aber in den Hauptzügen empfand er die nationale politische Bewegung in Deutschland eher als revolutionär und darum bedrohlich. Dem Beginn der Freiheitskriege stand Goethe skeptisch, ja erschrocken gegenüber. Die Völkerschlacht bei Leipzig bleibt in seinen Briefen fast unerwähnt. Wiederaufbauen, Bewahren, Erhalten, allenfalls Fortentwickeln unter den alten Gesetzlichkeiten, so ein Zitat Goethes, das war nach dem siegreichen Ende der Freiheitskriege seine politische Devise." Nach Gründung der Jenaischen Burschenschaft standen Herzog Carl August und Goethe mit dieser im besten Einvernehmen. Begründet war dies darin, dass "was beide in ihrer Hochschulpolitik nicht erreicht hatten - insbesondere die Beseitigung der Missstände des studentischen Lebens, eine Reform des Duellunwesens sowie die sittliche Erziehung der Studierenden - zu den erklärten Zielsetzungen der jungen Burschenschaft gehörten, wenngleich zunächst mehr im Programm als in der Realität." Im geschichtlichen Exkurs verfolgte der Referent dann das Auf und Ab in den Beziehungen Goethes zur Burschenschaft. An seinem Lebensende verurteilte dieser die "Erbärmlichkeit und Verderblichkeit" der studentischen Zwietracht und forderte eine Burschenschaft an allen deutschen Hochschulen. Diese Forderung als Vermächtnis Goethes sei noch zu erfüllen, betonte Prof. Kaupp unter Beifall.
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Dies ist ein Beitrag zur Presseschau der Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld zum Thema Studentenverbindungen. Die Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld macht sich nicht den Inhalt dieses Artikels zu eigen. Kommentare zu dem Artikel durch die Burschenschaft Normannia-Nibelungen sind im Text deutlich gekennzeichnet.