| Sie sind hier: Archiv > Presse > Burschenschaften > Tradition und Weitblick |
Nürnberger Zeitung,18.07.2005
Stadtgründungskommers im Historischen Rathaussaal
„Norimberga vivat, crescat, floreat!“, ruft Bürgermeister Klemens Gsell in den Historischen Rathaussaal. Sein Publikum: Etwa 250 feierlich gekleidete Vertreter der rund 15 Nürnberger Studentenverbindungen, Burschenschaften, Turnerschaften und Corps sowie befreundeter Korporationen aus ganz Deutschland. Der Anlass: der 955. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung Nürnbergs.
Schon zum siebten Mal kommen die Korporierten auf Einladung des Bundes Nürnberger Studenten (BNSt) und des Convents Deutscher Akademikerverbände (CDA) zum so genannten Stadtgründungskommers zusammen.
Mit voller Inbrunst singen die Versammelten Stücke wie die Nationalhymne oder das Nürnberglied und prosten sich mit ihren Bierkrügen zu. Auf der Tribüne sitzen je drei studentische Vertreter der verschiedenen Nürnberger Verbindungen in ihrer Galauniform, dem Vollwichs. Ein farbenfrohes Spektakel: Je nach Verbindungsart haben manche ihre seidenen Prunkfahnen mitgebracht, andere ihre Schläger. In vorderster Front: drei Vertreterinnen der Damenverbindung Fortuna Victoria in einer ansonsten von Männern dominierten Festgesellschaft.
Unter den zahlreichen Ehemaligen, im Fachjargon „Alte Herren“, die unter dem Anzug das Band ihrer Verbindung tragen und zum Teil auch die Studentenmütze bei sich haben, ist Bürgermeister Klemens Gsell der diesjährige Festredner. Er selbst ist Mitglied der christlichen Studentenverbindung Gothia Erlangen. In seiner Rede betont er die soziale Kompetenz, die Verbindungsstudenten von Anfang an in der Gemeinschaft erwerben sollen. Dadurch falle es ihnen auch leichter, ins Berufsleben zu starten und eine glänzende Karriere aufzubauen.
Für mehr gesellschaftliche Einbindung
Gleichzeitig weist Gsell den Vorwurf zurück, dass statt eigener Leistung lediglich die in Verbindungen aufgebauten Beziehungen maßgeblich für die spätere berufliche Laufbahn eines Mitglieds seien: „Kein alter Herr fördert eine soziale Null.“ Ferner lobt er, dass die Verbindungen einen „Blick über den Tellerrand“ des Studiums ermöglichen würden und spricht sich für eine weitere Einbindung in die gesellschaftlichen Aktivitäten der Stadt aus: „Bildung und Akademikertum darf in Nürnberg nicht versteckt werden.“
Zwischen Bier und Gesang kommen auch andere Redner zu Wort. Hermann König, erster Sprecher des CDA, bedankt sich bei der Stadt, „denn nicht an jedem Hochschulort erfahren die Korporationen solches Entgegenkommen“. Altoberbürgermeister Ludwig Scholz, der selbst dem Unitas-Verband angehört, hat auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. Die studentischen Verbindungen seien Teil der Stadt und der Universität, bekräftigt Scholz. In Bezug auf die Zukunft der Korporationen fordert er, ebenso wie der Vorsitzende des BNSt, Norbert Rittler, die Aktiven zu mehr Engagement auf. Das Medium Internet müsse von den einzelnen Verbindungen mehr genutzt werden, um neue Mitglieder anzuwerben. „Eine Modernisierung unserer Tradition geht damit aber nicht einher“, fügt der Altoberbürgermeister mahnend hinzu.
Zur Ehre der Stadt Nürnberg reiben die Anwesenden am Schluss den „Salamander“: Mit den Trinkgefäßen wird ein Trommelwirbel mit anschließendem Paukenschlag und Böllerschuss nachgeahmt. Jennifer Rappe 18.7.2005 0:00 MEZ